Krisenmanagement - Bescheidene Noten für die Politik
So richtig toll ist das Zeugnis nicht. Mit "befriedigend" werden die Politiker von der regionalen Wirtschaft bewertet. Einen Monat vor der Bundestagswahl durften die Manager aus dem Rhein-Main-Gebiet Noten verteilen - kaum einer gab eine 1, wenige gaben eine 5. Im Schnitt kamen die Macher in Berlin für ihr Krisenmanagement mit der Note 3,1 davon. Zumindest die Versetzung ist damit nicht in Gefahr.
Das ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage des Rhein-Main-Kompasses. Im Auftrag von Frankfurter Rundschau, Rheinmain-TV und Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) wurden im August mehr als 400 Manager aus der Region befragt.
Laut der Umfrage hat lediglich eine Minderheit der Betriebe direkt Vorteile von den milliardenschweren Konjukturmaßnahmen gespürt. Nur 18 Prozent der befragten Firmen sagen: Ja, wir haben positive Effekte ausgemacht. Mehr als drei Viertel der Manager aus der Region dagegen glauben, keinen unmittelbaren Nutzen von Abwrackprämie, Finanzierungs- und Bürgschaftshilfen sowie den neuen Regeln bei der Kurzarbeit gehabt zu haben.
Lob für Kurzarbeit
Krisenmanagement und Konjunkturpakete werden vor allem mit Blick auf die Erhaltung von Arbeitsplätzen überwiegend als hilfreich betrachtet. Vor allem die Verlängerung der Kurzarbeit von 18 auf 24 Monate wurde positiv bewertet - auch wenn nur ein Fünftel der Betriebe in der Region die Möglichkeit tatsächlich nutzte. Mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel schätzen die Unternehmer die Chance, über Kurzarbeitergeld ihr Stammpersonal halten und qualifiziertes Personal über die Flaute hinaus weiterbeschäftigen zu können.
Dennoch gab es im Zuge der Krise massiven Stellenabbau. Ein Viertel der befragten Unternehmer gab an, Arbeitsplätze abgebaut zu haben. Sieben Prozent der Firmen im Rhein-Main-Gebiet haben die Belegschaft wegen der aktuellen Krise sogar "in starkem Maß" reduziert. Vor allem in den Branchen Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung gingen Jobs verloren. Und es gilt die Regel: Je größer das Unternehmen, desto stärker die Tendenz zum Arbeitsplatzabbau. Laut Umfrage haben immerhin 72 Prozent der Betriebe bislang keinen Anlass gesehen, Arbeitsplätze zu streichen. Das aber kann sich bald ändern. Experten fürchten eine dramatische Zunahme von Entlassungen, wenn in den kommenden Monaten die Kurzarbeit ausläuft. Doch nicht nur bei den Statistikern, auch bei den Unternehmern keimt Hoffnung auf. Die Wirtschaftskapitäne in der Region gehen davon aus, dass der Sturm bald vorüber sein wird. Die überwiegende Mehrheit der Befragten glaubt, bis Ende 2010 könne es zu einer grundlegenden Besserung der Konjunktur kommen.
Leichtes Plus bei Aufträgen
Zwar ist die Auftragslage bei vielen Firmen noch bescheiden. Der Einbruch beim Umsatz indes scheint gestoppt oder zumindest gebremst. Damit steige auch wieder die Bereitschaft, Geld auszugeben und Leute einzustellen. Laut Umfrage plant etwa ein Fünftel der befragten Manager, sowohl ihre Investitionen als auch die Belegschaft aufzustocken.
Die Trendumfrage
Der Rhein-Main-Kompass ist eine repräsentative Trend-Umfrage zu Themen unter Wirtschaftsentscheidern aus dem Ballungsraum Frankfurt und Rhein-Main.
Im Auftrag von Frankfurter Rundschau, Rheinmain-TV und Landesbank Hessen-Thüringen ermittelt das Hamburger Marktforschungsinstitut Psephos per Telefonumfrage, wie Inhaber, Geschäftsführer und Vorstände Entwicklungen einschätzen, welche Investitions- und Beschäftigungspläne sie haben. An der aktuellen Ausgabehaben im August mehr als 400 Führungskräfte teilgenommen. Im Focus dieser Umfrage stand das Krisenmanagement der Bundesregierung. Viele Manager dagegen fürchten, dass die Rechnung erst noch kommt. Neun von zehn Geschäftsführern und Firmeninhabern verweisen auf das Risiko, dass die erhebliche Neuverschuldung durch die Stützungsmaßnahmen der öffentlichen Hand den künftigen Konjunkturverlauf gefährden könnte. Die zu erwartenden Haushaltsdefizite könnten sich mittel- und langfristig als hohe Risiken für die Konjunktur entpuppen, meint die überwiegende Mehrheit.
VON PETER DIETZ, Frankfurter Rundschau, 8. September 2009