Firmen wollen Personal halten
Manager setzen auf Arbeitszeitkonten
Arbeitnehmer und Selbstständige in Hessen haben 2009 knapp 4,4 Milliarden Stunden gearbeitet - der niedrigste Wert seit 1998, so das statistische Landesamt am Montag. Gründe seien Kurzarbeit, der Abbau von Überstunden sowie die Zunahme von Teilzeitbeschäftigungen. Gegenüber 2008 sank die Zahl der Arbeitsstunden um 2,6 Prozent, die der Erwerbstätigen blieb hingegen mit rund 3,1 Millionen stabil.
Die Zahlen der Statistiker passen zu den jüngsten Umfrageergebnissen des Rhein-Main-Kompasses zu Personalkonzepten in den Unternehmen. Denn die setzen auch im dritten Jahr der Wirtschaftskrise auf eine Personalsteuerung, die Entlassungen vermeidet.
Bindungen verstärken
Nur zwölf Prozent gaben an, Entlassungen seien das effizienteste Mittel gegen die Krise. Ähnlich schlecht kommt nur das Jobsharing weg. Stattdessen setzen die Firmen vor allem auf Arbeitszeitkonten - sie sind für 65 Prozent der Befragten das beste Steuerungselement. Die Hälfte der Manager will die Mitarbeiterbindung verstärken, 30 Prozent setzen auf Kurzarbeit, 22 Prozent auf Zeitarbeit (Mehrfachnennungen waren hier möglich).
69 Prozent der Manager gaben an, in den vergangenen Monaten weder Kurzarbeit angesetzt, noch Kündigungen ausgesprochen zu haben. Auch wenn die verlängerte Förderung der Kurzarbeit in diesem Jahr vermutlich ausläuft, drohe nicht automatisch eine Entlassungswelle - 88 Prozent der befragten Manager sagen das. Nur ein Prozent rechnet mit Entlassungen in großem, sechs Prozent in geringem Umfang. Vor allem Manager aus Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten sowie aus dem verarbeitenden Gewerbe rechnen mit Personalreduzierung.
Dass Weiterbeschäftigung Vorrang vor Entlassungen hat, zeigt auch die Bedeutung, die Manager der langfristigen Mitarbeiterbindung für ihre Unternehmensstrategie geben. 92 Prozent schätzen sie allgemein als eher groß oder groß ein. Befragt nach der Bedeutung für das eigene Unternehmen, steigt der Wert sogar auf 95 Prozent. Und während die allgemeine Bedeutung der Mitarbeiterbindung nur von 58 Prozent der Befragten als groß bewertet wurde, stufen 71 Prozent sie für das eigene Unternehmen in dieser Kategorie ein.
Durch den Schlecker-Skandal wird Zeitarbeit zwar derzeit eher negativ wahrgenommen - mit seriösen Anbietern arbeiten in Hessen aber sogar Gewerkschaften wie die IG Metall zusammen. Fast zwei Drittel der Manager im Rhein-Main-Gebiet haben bereits Erfahrungen mit diesem Instrument gesammelt. Immerhin 28 Prozent derjenigen, die schon einmal eine Zeitarbeitsfirma beauftragten, haben überwiegend oder sogar sehr negative Erfahrungen gemacht. Offensichtlich hat die Zeitarbeit aber auch bei den Managern einen schlechten Ruf, die keine eigene Erfahrung haben. Nur 29 Prozent erwarten eine positive Wirkung, 52 Prozent hingegen eine negative. (mit dpa)
Umfrage
Der Rhein-Main-Kompass ist eine repräsentative Trend-Umfrage zu aktuellen Themen unter Wirtschaftsentscheidern aus dem Rhein-Main-Gebiet.
Im Auftrag von Frankfurter Rundschau, Rheinmain-TV und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ermittelt das Marktforschungsinstitut Psephos regelmäßig, wie Inhaber, Geschäftsführer und Vorstände bestimmte Entwicklungen einschätzen, welche Investitions- und Beschäftigungspläne sie verfolgen.
Für die Januar-Ausgabe wurden 402 Führungskräfte aus Betrieben mit mindestens 20 Beschäftigten befragt. (ust)
VON MARTIN BRUST
Frankfurter Rundschau, 2. Februar 2010