Wirtschaft lehnt Staatseingriffe ab
Die Mehrzahl der deutschen Führungskräfte lehnt Hilfen von Bund und Ländern für angeschlagene Unternehmen entschieden ab. "Keinerlei Staatshilfen" - dieses Credo gibt die Elite der hiesigen Wirtschaft aus. Das ergibt der Handelsblatt Business-Monitor.
FRANKFURT. Im Zuge der Finanzkrise mischt sich die Politik zunehmend in das Wirtschaftsgeschehen ein. Vor allem der Fall Opel ist seit Wochen ein Spielball der Politik. Die Bundesregierung nimmt eine maßgebliche Rolle bei der Suche nach einem Investor für den Rüsselsheimer Autokonzern ein. Auch Unternehmen wie Schaeffler und Arcandor haben bereits Hilfe in Berlin angefragt.
Die Mehrheit der Wirtschaft steht allerdings nicht hinter diesen Plänen, wie die Umfrage unter knapp 800 Managern im Auftrag dieser Zeitung und der Unternehmensberatung Droege & Comp ergab. Auf die Frage, ob Unternehmen wie Opel "notfalls durch Staatshilfen gerettet werden", antworten knapp zwei Drittel (65 Prozent) der deutschen Manager mit einem klaren Nein. Unter den Großunternehmen mit mehr als 5 000 Beschäftigten fällt mit 58 Prozent die strikte Ablehnung von Eingriffen der Bundesregierung jedoch erkennbar geringer aus, hat die Umfrage des Marktforschungsinstituts Psephos ergeben.
Nur eine Minderheit aller Unternehmen hält ein Eingreifen des Staates für richtig - allerdings nicht in jeglicher Form. Bürgschaften begrüßt fast jeder dritte der befragten Manager, Beteiligungen akzeptieren dagegen nur acht Prozent und direkte Zuschüsse gerade einmal zwei Prozent.
Die Bundesregierung hat bislang insgesamt 115 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um Firmen finanziell zu unterstützen - vorausgesetzt, die Unternehmen können nachweisen, dass sie infolge der Finanzkrise in eine Notlage geraten sind. Für Bürgschaften steht ein Rahmen von 75 Milliarden Euro bereit, für Kredithilfen 40 Milliarden Euro.
Ablehnend gegenüber Staatshilfen bleiben die Manager mehrheitlich auch in Bezug auf ihr eigenes Unternehmen. 56 Prozent aller Führungskräfte sagen, ihr Unternehmen nehme "generell keine Staatshilfe" an. 39 Prozent könnten es sich zwar vorstellen, gehen aber davon aus, dass es nicht nötig sein wird. Gerade einmal drei Prozent planen, Staatshilfe in Anspruch zu nehmen. Bei den Großunternehmen liegt der Anteil mit fünf Prozent wiederum leicht über dem Durchschnitt.
Dass die Bundesregierung den heimischen Banken hilft, ihre Bilanzen von besonders risikoreichen Wertpapieren zu befreien, unterstützen die Manager. "Grundsätzlich" halten sie das Bad-Bank-Konzept der Bundesregierung für gut, geben 57 Prozent der Befragten an. Danach soll es Banken künftig möglich sein, ihre sogenannten toxischen Wertpapiere aus den Bilanzen zu nehmen und sie über Jahre in Zweckgesellschaften einzulagern. Mit diesem Kompromiss versucht die Bundesregierung, einen Spagat zu meistern: Sie hilft den Banken und minimiert gleichzeitig die Last für den Steuerzahler - allerdings zu dem Preis, Probleme in die Zukunft zu verlagern.
Unter dem Strich verdient das Krisenmanagement die Bewertung befriedigend, urteilen die Manager. Auf einer Skala von eins ("sehr gut") bis fünf ("sehr schlecht") beurteilen sie die Bundesregierung mit der Note 2,7. Zufriedener als der Durchschnitt sind die Großunternehmen: Mehr als die Hälfte hält das Krisenmanagement für gut.
von Dorit Heß , Handelsblatt 19. Mai 2009